Rudolf Bubner Christologie und Evolution - Entwicklungsschritte vom Reich der Menschen zum Reich des Christus

Verlag Urachhaus Johannes M. Mayer GmbH, Stuttgart 1985, ISBN 3 87838 411 4, 152 Seiten, € 12,-


Es sei nach der Ansicht des Verfassers (S. 138) "durchaus nicht üblich und selbstverständlich, das Erscheinen des Christus auf der Erde und in der Geschichte mit den Schritten und Prinzipien der Evolution zu sehen und zu verstehen". Das Johannes-Evangelium gäbe ihm aber das Recht dazu. Heißt es darin doch von dem Logos als vom Urbeginn der Schöpfung: "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns..."(Joh. 1,14). Ungläubige oder nicht-Christen wird er damit nicht überzeugen. Aber auch gläubige Christen werden das Buch wegen des komplizierten Gebrauchs der Sprache schon bald weglegen. Und das ist schade, denn äußerst sorgfältig wird hier ein Gedankegebäude nicht nur im Geiste Goethes und nach den Grundrissen der Anthroposophie Rudolf Steiners errichtet, sondern auch unter Bezugnahme des Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin.

Anders aber als Teilhard de Chardin betrachtet Bubner die Evolution von den "Stilprinzipien der Weltarchitektur" (S. 09) aus. In ihr sieht er eine aus vier Schichten bestehende Pyramide. Wie in der Biologie nennt Bubner diese Schichten 'Reiche'. So unterscheidet er das Reich der Mineralien, das Reich der Pflanzen, das Reich der Tiere und das Reich des Menschen. Charakteristisches Stilprinzip des Gebäudes ist die Wiederholung der Merkmale des einen Reiches im darauffolgenden. Der wesentliche Unterschied zwischen den Schichten oder Reichen schmälert den ursprünglichen Plan des Architekten überhaupt nicht. Das Gebäude faßt das Reich des Menschen und in den Stockwerken unter ihm findet man die Stadien seiner Evolution, die er hinter sich gelassen hat. Sein Geist durchweht das ganze Gebäude und verursacht das Loslösen (Diastole) vom Alten und die Umarmung (Systole) des Neuen. Bestand das unter dem Menschen sich befindende Stockwerk noch aus einer Vielzahl von Tierarten, der Mensch vereinigt in seinem Wesen alle diese Arten nach ihren Eigenschaften. Diese Artenart Mensch, dieses 'Urtier', hat dann aber schon eine neue Eigenschaft 'umarmt', nämlich das 'Geistes-Ich', das mit seiner Individualität, seiner Person, verbunden ist. Die Loslösung vom Urtier soll zu einem Reich führen, in dem sich der Mensch vollends entfalten kann.

Die zwei Jesusknaben, wie sie bei Matthäus und Lukas unterschieden werden, vereinigen sich im Alter von zwölf Jahren in dem Tempel. Durch die sich in der Jesuseinheit im Alter von dreißig Jahren gestaltende Inkarnation Christi wird der Aufgang des Neuen und die Loslösung vom Alten ermöglicht. Die Diastole im Menschen ereignet sich durch die Einverleibung des göttlichen Geistes des Menschen aller Menschen, Jesus Christus. Bubner verdeutlicht wie die Christifikation, die Taufe im Jordan, der ganzen Hominisation, die Menschheitsentwicklung, einen Impuls gibt um sich heute mit der Wiklichkeit Christi zu verbinden und als das ‘Ich aller Iche’ in jedem Menschen-Ich zu wirken. Das kann man sehr gut vergleichen mit was Teilhard ‘die Konvergenz des persönlichen mit dem Punkt Omega’ nennt

Henk Hogeboom van Buggenum

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